Gute Bank schlechte Bank

Neuer Index sortiert schlechte Banken aus

Für den einfachen Normalbürger klingt die Wortkombination „Good Bank“ wie ein Widerspruch an sich.
Dass irgendwelche Banken „gut“ sein könnten, scheint nach den Erfahrungen der letzten beiden Jahre eigentlich ausgeschlossen.
Und die aktuellen Betrugsvorwürfe gegen Goldman Sachs bestätigt dies, zumal eigentlich
niemand wirklich überrascht ist, dass die Aufsichtsbehörden zu derlei Überlegungen kommen.

Trotzdem sieht die Börse das mit dem „Gut und Böse“ natürlich etwas anders.
Die äußerst zahlengläubigen Akteure am Kapitalmarkt haben inzwischen sogar eine eigene Kennzahl mit der sie die Guten von den Schlechten unterscheiden.
Dieser Gradmesser sind die sogenannten „Credit Default Swaps“ oder kurz CDS, die zuletzt auch im Zusammenhang mit der Griechenland-Krise häufig in den Schlagzeilen waren.
Dabei handelt es sich um so etwas wie Kreditausfall-Versicherungen, die in einem weitgehend unregulierten Markt zwischen
Großinvestoren und Banken abgeschlossen werden.

Die Höhe des Preises für so eine CDS-Versicherung gibt Aufschluss darüber, wem die Finanzprofis die Rückzahlung seiner Schulden zutrauen und wem nicht. Folgerichtig kommen solide Schuldner, die das Vertrauen des Marktes genießen auf vergleichsweise niedrige CDS-Werte.
Bei unsicheren Gesellen werden indes sehr hohe Versicherungsprämien verlangt. Wer beispielsweise eine Sicherheit für die Rückzahlung einer
Bundesanleihe erwerben will, dem wird derzeit nur eine Versicherungsprämie von rund 34 Basispunkten oder 0,34 Prozent abverlangt.
Wer sich gegen einen Ausfall von griechischen Staatsanleihen absichern will, muss hingegen imposante 6,35 Prozent bezahlen.

Bei Banken und anderen Unternehmen ist dies nicht anders.
Wobei derzeit aber keines der großen Geldhäuser auf so hohe Versicherungsprämien kommt wie der griechische Staat.
Bei der Deutschen Bank etwa liegen die verlangten Aufschläge bei rund 90 Basispunkten.
Landesbanken wie die LBBW oder die WestLB kommen trotz Beteiligung der öffentlichen Hand auf Versicherungsprämien von
etwas mehr als 1,1 Prozent. Auf relativ hohe Quoten kommen indes die Royal Bank of Scotland oder die Erste Bank aus Österreich, bei denen rund 140 Basispunkte angesetzt werden.

Eine vom Indexanbieter Structured Solutions entwickelte Auswahlstrategie nutzt diese Kennzahl nun, um einen eigenen Bankenindex zu kreieren, in dem immer nur die Aktien der solidesten Geldhäuser enthalten sind.
Um dies zu erreichen werden in den auf Europa fokussierten Index bei den halbjährlichen Überprüfungsterminen immer die zehn Bankentitel aufgenommen, bei denen der Markt die geringsten Versicherungsprämien verlangt.
Zusätzlich wird zwischen den Anpassungsterminen regelmäßig geprüft, ob sich die Einschätzung hinsichtlich der Bonität maßgeblich verändert hat.
Sollten sich bei einer der im Index enthaltenen Bank die Versicherungsprämien innerhalb von vier Wochen um 15 Prozent oder aber um absolut 20 Basispunkte erhöhen, so erfolgt ein automatischer Ausschluss.
Die entsprechende Aktie wird dann aus dem Index herausgenommen und das entsprechende Anlagekapital wird in den Geldmarkt
umgeleitet. Durch diese Ausschlussmöglichkeit soll sicher gestellt werden, dass mögliche Krisenbanken frühzeitig eliminiert werden.

Das dazu gehörige Zertifikat kommt von der schweizerischen Bank Vontobel, die noch bis Ende der Woche einen einfachen Tracker auf den Solactive Good Banks Index zur Zeichnung anbietet (WKN: VT0JJJ).
In der Startaufstellung des Index findet sich neben mehreren skandinavischen Banken auch die Commerzbank, die gemessen an den Ausfallversicherungen ebenfalls zu den zehn solidesten europäischen Geldhäusern zählt.
Ebenfalls mit dabei sind die Credit Suisse und BNP Paribas.

In Summe eine lustige Idee, wobei anzumerken ist, dass für die Emissionsbank selbst keine CDS gehandelt werden.
Die offiziellen Bonitätsnoten der Ratingagenturen liegen allerdings nur im einfachen A-Bereich und damit deutlich schlechter, als bei den meisten Banken, auf die der Index setzen würde.

Geschrieben von thomas am 13. Mai 2010 | Abgelegt unter Zertifikate | Kommentare deaktiviert

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